Sebatum


Der große deutsche Althistoriker Theodor Mommsen bespricht in seinem 1877 erschienenen "Corpus Inscriptionum Latinarum" V,1, S. 1838 eine in Zuglio (Friaul) gefundene Schrifttafel mit der Inschrift:

C . BAEBIO . P . F CLA ATTICO
IIVIR . i . d . PRIMOPILLEG . V . Macedonic . PRAEFCIVITATIVM . MOESIAE . ETTREBALLIAe - praEF . ciVITATIN . ALPIB . MARITVMIS . Tr . MIL . COHVIII . PR . PRIMOPIL . ITER . PROCVRATORTI . CLAVDI . CAESARIS . AVG . GERMANICIIN NORICO
CIVITAS
SAEVATVM . ET . LAIANCORVM

Übersetzter Auszug aus der in Latein verfassten Abhandlung:
... Mit der Stadt Saevatum müssen die Sevaces in Verbindung gebracht werden, von denen Ptolemaios 2, 13, 2 berichtet, sie hätten ihren Wohnsitz im westlichen Norikum im Norden und sie ist also, wie schon Henzenus vermutet, nach dem Itinerarium Antonini S. 280 ... die Stadt St. Lorenzen im Pustertal. Die Laianken sind bisher unbekannt, falls sie nicht das Volk sind, das Ptolemaios zusammen mit den Saevaten als Alaunoi bezeichnet, welches aber eine Verballhornung von Laiangkoi sein könnte.

 

Der Verwaltungsbezirk Sebatum

Nach der Eingliederung der Provinz Noricum, zu der auch das Pustertal und somit Sebatum gehörte, in das römische Imperium, war Virunum im Zollfeld am Magdalensberg, 14 km NW von Klagenfurt in Kärnten, Hauptstadt der Provinz.

Nach der diokletianischen Staatsreform im Jahr 284 n. Ch. und der konstantinischen Reorganisation des Militärwesens wurde Norikum in zwei Bereiche geteilt: Ufernorikum, das sich südlich des Donauufers erstreckte und Noricum Mediterraneum mit der Hauptstadt Virunum, bis es im 5. Jahrhundert von Teurnia, heute St. Peter in Holz in Kärnten, abgelöst wurde.

In dieser ganzen Zeit unterstand Sebatum dem seit dem 1. Jahrhundert n. Ch. bestehenden Municipium Claudium Aguntum, das die Bezirkshauptstadt des Ager Aguntinus war. Die nächsten Verwaltungszentren waren Trient und Teurnia.

Sebatum hatte also eine gewisse Bedeutung als Grenzstadt zur westlich gelegenen Provincia Raetia Secunda. Die genaue Grenze ist nicht mehr bestimmbar; sie wird aber wohl zwischen der Mühlbacher Klause und dem Eisacktal, zwischen Kuntersweg im Süden und Mittewalder Klause im Norden zu suchen sein. Aus Dokumenten vom Ende des 1. Jahrtausends n. Ch. geht jedenfalls hervor, dass zu jener Zeit auch jener Teil des Eisacktals von den inzwischen eingewanderten Bajuvaren Norica Vallis oder Nurihtal genannt wurde.