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Lorenzo Dal Ri - Gianni Rizzi - Umberto Tecchiati

Römisches Gräberfels
Nach Abschluss der Ausgrabungen beginnt nun die Sammlung der Daten

Lorenzner Bote
Dezember 2002

Die Ausgrabung des Gräberfeldes in der von Neubauten betroffenen Handwerkerzone ist nunmehr abgeschlossen. Auf dem Grundstück, auf dem sich die Gräber befanden, werden bereits von Seiten der Firmen Edilfer, Innerhofer und Plankensteiner Gebäude errichtet. Die Nekropole erstreckt sich jedoch auch im Bereich des Sägewerks Plankensteiner und zwar auf einem zurzeit von einem Holzdepot eingenommenen Areal. Bei diesem Teil des Gräberfeldes besteht nicht die Gefahr unmittelbar bevorstehender Bautätigkeit.

Bisher wurden 84 Gräber ausgegraben, dabei handelt es sich in 37 Fällen um Körperbestattungen, in denen meist Skelette und Beigaben, zum Teil höchster Qualität, erhalten geblieben sind. Die bisher festgestellten Brandbestattungen (die frühesten Gräber) belaufen sich auf 47. Darin treten Gefäße für den Leichenbrand sowie weitere Tongefäße für Speise und Trank auf. Beinahe einem Wunder gleich kommt die Erhaltung eines kostbaren Glases mit Darstellung einer Weintraube. In zahlreichen Gräbern wurde Gold-, Silber- und Bronzeschmuck zusammen mit Ketten aus Glasperlen, Halbedelsteinen und Bernstein sowie auch zusammen mit bescheideneren Gegenständen gefunden. Diese Beigaben standen entweder mit dem Beruf der Verstorbenen in Zusammenhang oder sie hatten zu Lebzeiten an ihnen besonders Gefallen gefunden. Einige Funde, wie Münzen und Nägel, waren sicherlich für die Bezahlung des Fährmanns bei der Überfahrt in die Unterwelt vorgesehen.

Es ist derzeit schwierig, anhand der Ausgrabungen wesentliche Schlussfolgerungen zu ziehen, da einige Dutzende von Aschenurnen erst in Zukunft mit größter Sorgfalt und aufgrund wissenschaftlicher Kenntnisse im Labor gleichsam „auszugraben“ sind. Die Ausgrabungen erfolgten unter der Leitung des Amtes für Bodendenkmäler und wurden von der Gesellschaft für Archäologische Untersuchungen durchgeführt.

In den Gefäßen befinden sich mit Sicherheit weitere Beigaben sowie die verbrannten Knochen der Verstorbenen. Es sind auch spezielle Untersuchungen der organischen und botanischen Überreste vorgesehen. Dadurch wird man möglicherweise erfahren, welche Speisen und Getränke dem Toten auf seiner Reise über die Styx auf der Fähre des Charon mitgegeben wurden. Vor allem werden die wissenschaftlichen Untersuchungen vielleicht Einblick in die Entwicklung des Bestattungsbrauches im Laufe der fünf Jahrhunderte (1. - 5. Jh. n. Ch.), in denen das Gräberfeld in Verwendung stand und an bestimmten Gedenktagen bzw. im Rahmen der einfachen, in der Römerzeit üblichen Praxis der pietas aufgesucht wurde, gewähren.

Somit wird eine beträchtliche Anzahl von Erkenntnissen den momentanen Wissensstand erweitern. Vielleicht wird auch eine Ausstellung zu dieser Nekropole möglich sein. Es handelt sich hier nämlich um das bedeutendste Zeugnis seiner Art aus der römischen Kaiserzeit in der Provinz Bozen-Südtirol und zwar sowohl bezüglich der Fundmenge, des Erhaltungszustandes und der dadurch gesammelten Daten, als auch bezüglich der noch von den Laboruntersuchungen und den Hilfswissenschaften zu erwartenden Ergebnisse. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Funde wurde bereits begonnen. Der Landesrat Dr. Bruno Hosp, und der Landeskonservator  Dr. Helmuth Stampfer haben die Ausgrabungsstätte schon besucht. Auch wurde eine kleine Auswahl von Funden im Rahmen einer Ausstellung am 18. und 19. Oktober im Südtiroler Archäologiemuseum vorgestellt, wobei großes Interesse von Seiten der Besucher und der Wissenschafter sowie der deutliche Wunsch nach einer umfassenden, eventuell in St. Lorenzen einzurichtenden Ausstellung, festgestellt werden konnten.


 

Landesrat Dr. Bruno Hosp (2.v.l.) und Dr. Helmuth Stampfer (3.v.l.) bei der Besichtigung der Fundstücke auf dem Gelände, auf dem sich das römische Gräberfeld befand

Lorenzo Dal Ri
Direktor des Amtes für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol

Gianni Rizzi
Società Ricerche Archeologiche G. Rizzi & Co, Brixen

Umberto Tecchiati
Zoneninspektor für das Eisacktal und das Pustertal, Amt für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol   

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