| Presse Verzeichnis | ||
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Reimo Lunz Ein
interessanter Fund fürs Antiquarium |
Lorenzner
Bote |
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Tierarzt Dr. Hans Mair aus Bruneck stellte kürzlich in dankenswerter Weise dem Lorenzner Antiquarium eine bearbeitete Feuersteinklinge zur Verfügung, die er selbst im vergangenen Jahr bei Gartenarbeiten in Aufhofen gefunden hatte. |
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Der Fundort befindet sich zirka 50 Meter südwestlich unterhalb der Kirche von Aufhofen, ursprünglich wohl am Rande des leicht geneigten Bärentaler-Schuttkegels gelegen. Den Angaben des Finders zufolge stammt das Stück aus beträchtlicher Tiefe und war demnach wohl einige Meter vom Geschiebe des Schwemmkegels überdeckt gewesen.
Bei dem Fund handelt es sich um eine flächig retuschierte Klinge aus beigefarbenem, südalpinem Silex (aus dem Bereich zwischen Nonsberg und Lessinischen Bergen stammend). Die Länge der Klinge beträgt 6,1 cm, die Breite schwankt zwischen 1,1 und 1,5 cm. Der Klingenrücken ist unmerklich gekrümmt, die Schneide leicht bogig eingebuchtet. Das Besondere an dieser Klinge ist aber der sogenannte ,,Sichelglanz", das sind die stärker glänzenden Stellen an der Schneide, die beim Ernten des Getreides durch das ständige Fegen der Steinklinge an den siliziumhaltigen Getreidehalmen entstanden waren. Durch den ,,Sichelglanz" ist dieses Feuersteingerät eindeutig als Einsatzklinge einer zweiteiligen Sichel ausgewiesen, d.h. einer aus Holz geschnitzten Sichel-Schäftung, in deren Falz mittels Birkenteer mehrere aneinandergereihte Silexklingen eingeklebt waren, die somit eine durchgehende Schneide ergaben. Entsprechende Originalfunde von mehr oder weniger vollständig erhaltenen Holzsicheln mit Steinbesatz kennt man hauptsächlich aus schweizerischen und österreichischen Pfahlbauten. Im Trentino wurden mehrere kunstfertig gearbeitete Sicheln dieses Typs in den bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen von Ledro und Fiavè in Judikarien ausgegraben, daneben aber vor allem Unmengen an losen Sichelelementen.
Auch
aus Südtirol stammen etwa zwei Dutzend Sichelklingen. Holzteile von
Sicheln konnten bis jetzt (aus Mangel an Pfahlbauten) aber noch nicht
geborgen werden. Aus dem Pustertal, dem Tauferertal und den Dolomitentälern
sind vor allem die Sichel-Einsatzklingen von der Sonnenburg und vom Mühlstetter
Waldele bei St. Lorenzen, von St. Walburg bei Kematen, von Sotciastel in
Abtei und vom Lec Sant in Gröden bekannt. Der Großteil dieser Funde dürfte
der Frühen und Mittleren Bronzezeit (ca. 2000-1300 v. Chr.) angehören,
vereinzelte Stücke, wie jenes vom Mühlstetter Waldele mögen noch in die
Späte Kupferzeit (ca. 2500-2000 v. Chr.) zu datieren sein.
Siedlungsgeschichtlich
kommt der Sichelklinge von Aufhofen insofern eine besondere Bedeutung zu,
als aus dieser Gegend bisher noch nie ein bronzezeitlicher Fund vermeldet
wurde. Die nächsten bekannten Siedlungen der Älteren Bronzezeit liegen
auf dem Kehlburgerbühel und der Gaisinger Pipe bei Gais, sowie auf der
Kleinen und Großen Pipe bei St. Georgen. Unter der Herkunftsangabe
Aufhofen ist bislang überhaupt erst ein leicht angeschmolzenes
Bronzebeil mit Kreisaugenverzierung aus der Älteren Eisenzeit (ca.
600 v. Chr.) bekannt geworden (Abb.), von dem man aber leider nicht weiß,
wo es wirklich gefunden wurde. Undurchsichtig
bleibt auch, was es mit dem kleinen flach-runden, offenbar künstlich
polierten Serpentinstein auf sich hat, den Franz Waschgler vor etlichen
Jahren am Weg zwischen Gänsbichl und Huber unterm Berg aufgelesen
hat. Eine ganz ähnliche SteinRundel (Glättstein oder Spielstein?)
hatten wir erst im vergangenen Sommer in einer Baulichkeit aus der Älteren
Eisenzeit auf der Stocker Stole bei St. Lorenzen ausgegraben.
Auffallend
ist aber immerhin, dass an der sonnigen Berglehne zwischen Aufhofen und
Luns mehrere sogenannte Schalensteine entdeckt wurden - so am Westabhang
des Gänsbichls, in einem Waldstück oberhalb Dietenheim nahe dem Amater
Weg und in einem Lärchenwäldchen zwischen Luns und den Kröllhöfen -
die z.T. noch aus vorgeschichtlichen Zeiten stammen könnten. Gerade die
klimatisch überaus günstige Lage der Gegend zwischen Dietenheim und
Aufhofen macht es sehr wahrscheinlich, dass sich hier schon sehr früh
Siedler niedergelassen haben, wenngleich bis heute deren Spuren noch nicht
recht erkannt wurden. Ein erster konkreter Hinweis auf die bronzezeitliche
Bewirtschaftung dieser Gegend ergibt sich aber jedenfalls aus der neu
aufgefundenen Sichelklinge und es wäre durchaus möglich, dass sich hier
- im Ortskern von Aufhofen - eine Niederlassung aus der Bronzezeit
verbirgt. Gerade die archäologischen Forschungen der letzten Jahre haben
ergeben, dass Bronzezeit-Siedlungen nicht nur auf wehrhaften Hügelkuppen,
sondern zuweilen auch auf Schuttkegeln und Hangflächen angelegt worden
waren. Reimo Lunz Texte, Grafiken und Bilder unterliegen dem Urheberrecht. |
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