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Reimo Lunz

Ein interessanter Fund fürs Antiquarium

Lorenzner Bote
Februar 2002

Tierarzt Dr. Hans Mair aus Bruneck stellte kürzlich in dankenswerter Weise dem Lorenzner Antiquarium eine bearbeitete Feuersteinklinge zur Verfügung, die er selbst im vergangenen Jahr bei Gartenarbeiten in Aufhofen gefunden hatte.


Aufhofen. Sichelklinge aus Silex

Der Fundort befindet sich zirka 50 Meter südwestlich unterhalb der Kirche von Aufhofen, ursprünglich wohl am Rande des leicht geneigten Bärentaler-Schuttkegels gelegen. Den Angaben des Finders zufolge stammt das Stück aus beträchtlicher Tiefe und war demnach wohl einige Meter vom Geschiebe des Schwemmkegels überdeckt gewesen.


Bronzebeil mit Kreisaugenverzierung aus Aufhofen.

Bei dem Fund handelt es sich um eine flächig retuschierte Klin­ge aus beigefarbenem, südalpi­nem Silex (aus dem Bereich zwischen Nonsberg und Lessinischen Bergen stammend). Die Länge der Klinge beträgt 6,1 cm, die Breite schwankt zwischen 1,1 und 1,5 cm. Der Klingenrücken ist unmerklich gekrümmt, die Schneide leicht bogig eingebuchtet. Das Besondere an dieser Klinge ist aber der sogenannte ,,Sichelglanz", das sind die stärker glänzenden Stellen an der Schneide, die beim Ernten des Getreides durch das ständige Fegen der Steinklinge an den siliziumhaltigen Getreidehalmen entstanden waren. Durch den ,,Sichelglanz" ist dieses Feuersteingerät eindeutig als Einsatzklinge einer zweiteiligen Sichel ausgewiesen, d.h. einer aus Holz geschnitzten Sichel-Schäftung, in deren Falz mittels Birkenteer mehrere aneinandergereihte Silexklingen eingeklebt waren, die somit eine durchgehende Schneide ergaben. Entsprechende Originalfunde von mehr oder weniger vollständig erhaltenen Holzsicheln mit Steinbesatz kennt man hauptsächlich aus schweizerischen und österreichischen Pfahlbauten. Im Trentino wurden mehrere kunstfertig gearbeitete Sicheln dieses Typs in den bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen von Ledro und Fiavè in Judikarien ausgegraben, daneben aber vor allem Unmengen an lo­sen Sichelelementen.


Aufhofen gegen Ahmtal mit Keil­bachspitze und Löffler

Auch aus Südtirol stammen etwa zwei Dutzend Sichelklingen. Holzteile von Sicheln konnten bis jetzt (aus Mangel an Pfahlbauten) aber noch nicht geborgen werden. Aus dem Pustertal, dem Tauferer­tal und den Dolomitentälern sind vor allem die Sichel-Einsatzklingen von der Sonnenburg und vom Mühlstetter Waldele bei St. Loren­zen, von St. Walburg bei Kematen, von Sotciastel in Abtei und vom Lec Sant in Gröden bekannt. Der Großteil dieser Funde dürfte der Frühen und Mittleren Bronzezeit (ca. 2000-1300 v. Chr.) angehören, vereinzelte Stücke, wie jenes vom Mühlstetter Waldele mögen noch in die Späte Kupferzeit (ca. 2500-2000 v. Chr.) zu datieren sein.


Sichel aus Holz mit eingeklebten Feuer­steinklingen. Aus dem Pfahlbau von Fiave (Trentino). Nach Renato Perini

Siedlungsgeschichtlich kommt der Sichelklinge von Aufhofen insofern eine besondere Bedeutung zu, als aus dieser Gegend bisher noch nie ein bronzezeitlicher Fund vermeldet wurde. Die näch­sten bekannten Siedlungen der Älteren Bronzezeit liegen auf dem Kehlburgerbühel und der Gaisin­ger Pipe bei Gais, sowie auf der Kleinen und Großen Pipe bei St. Georgen. Unter der Herkunftsan­gabe Aufhofen ist bislang überhaupt erst ein leicht angeschmol­zenes Bronzebeil mit Kreisaugen­verzierung aus der Älteren Eisen­zeit (ca. 600 v. Chr.) bekannt geworden (Abb.), von dem man aber leider nicht weiß, wo es wirklich gefunden wurde.

Undurchsichtig bleibt auch, was es mit dem kleinen flach-runden, offenbar künstlich polierten Serpentinstein auf sich hat, den Franz Waschgler vor etlichen Jah­ren am Weg zwischen Gänsbichl und Huber unterm Berg aufgele­sen hat. Eine ganz ähnliche Stein­Rundel (Glättstein oder Spielstein?) hatten wir erst im vergangenen Sommer in einer Baulichkeit aus der Älteren Eisenzeit auf der Stocker Stole bei St. Lorenzen ausgegraben.


Steinrundeln aus Serpentin, im Querschnitt elliptisch. Links: Dietenheim, rechts: St. Lorenzen Stocker Stole. Durchmesser: 3,8 - 4,0 cm

Auffallend ist aber immerhin, dass an der sonnigen Berglehne zwischen Aufhofen und Luns mehrere sogenannte Schalensteine entdeckt wurden - so am Westabhang des Gänsbichls, in einem Waldstück oberhalb Dietenheim nahe dem Amater Weg und in einem Lärchenwäldchen zwischen Luns und den Kröllhöfen - die z.T. noch aus vorgeschichtlichen Zeiten stammen könnten. Gerade die klimatisch überaus günstige Lage der Gegend zwischen Dietenheim und Aufhofen macht es sehr wahrscheinlich, dass sich hier schon sehr früh Siedler niedergelassen haben, wenngleich bis heute deren Spuren noch nicht recht erkannt wurden. Ein erster konkreter Hinweis auf die bronzezeitliche Bewirtschaftung dieser Gegend ergibt sich aber jedenfalls aus der neu aufgefundenen Sichelklinge und es wäre durchaus möglich, dass sich hier - im Ortskern von Aufhofen - eine Niederlassung aus der Bronzezeit verbirgt. Gerade die archäologischen Forschungen der letzten Jahre haben ergeben, dass Bronzezeit-Siedlungen nicht nur auf wehrhaften Hügelkuppen, sondern zuweilen auch auf Schuttkegeln und Hangflächen angelegt worden waren.

Reimo Lunz

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