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Gino Bombonato - Lorenzo Dal Ri - Umberto Tecchiati

Archäologische Untersuchungen im Bereich der Peintner Brücke

Lorenzner Bote
Januar 2003

Das Projekt zur Änderung des Abschnitts der Staatsstraße SS 49 im Pustertal in der unmittelbaren Nähe von St. Lorenzen bei km 29, sieht eine Verlegung von ca. 8 Metern gegenüber dem jetzigen Straßenverlauf nach Norden hin vor. Beim ehemaligen Straßenbau war eine beträchtliche Anzahl von Gebäuden der römischen Straßenstation Sebatum bei den Aushubarbeiten angeschnitten worden. Noch heute kann man nämlich, wenn man sich in Richtung Innichen begibt, rechtsseitig der Straße die Mauerreste jener Gebäude erkennen. Das Areal liegt einige Dutzende von Metern von der Peintner Brücke entfernt, für die laut erwähntem Projekt eine vollkommene Neustrukturierung mit entsprechender Abänderung des Straßenverlaufs vorgesehen ist.

Um eine Einstellung der Bauarbeiten wegen möglicherweise vor­handener archäologischer Funde zu vermeiden, hat das Amt für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol aufgrund der im Projekt vorgesehenen Arbeiten archäologische Untersuchungen vorgenommen und zwar mit einem beträchtlichen Zeitvorsprung in Bezug auf den Baubeginn der neuen Straße. Die zurzeit immer noch stattfindenden Untersuchungen, die von der Cooperativa Scavi e Restauri aus Bozen unter der Leitung vom Amt für Bodendenkmäler und der Finanzierung der Landesabteilung 10 - Infrastrukturen, durchgeführt werden, haben gleich eine Reihe interessanter Ergebnisse geliefert.

Abbildung1: Durch den Neubau der Peintner Brücke muss die Pustertaler Straße verlegt werden. Auf dem betroffenen Gelände werden archäologische Untersuchungen durchgeführt.

Es kam neben der Straße, auf einer weiten Fläche von ca. 600 Quadratmetern, eine beträchtliche Anzahl von Strukturen zutage, die aufgrund der Funde ins 5. - 4. Jh. v. Chr. datiert werden können. Beinahe überraschend ist das völlige Fehlen römischer Zeugnisse, die hingegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite deutlich feststellbar sind.

Lediglich zwei Mauern scheinen die bergseitige Begrenzung der Siedlung, die üblicherweise zwischen dem l. und 4. Jh. n. Chr. datiert wird, zu belegen. Fast unmittelbar unter dem heutigen Niveau sind hingegen eisenzeitliche Terrassierungsarbeiten zum Vorschein gekommen.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind zwei vollständig durch Brand zerstörte Gebäude bekannt, die an wiederholt neu errichteten Mauern angrenzen, welche der Hangbefestigung dienten. Aus einer dieser Hütten stammen Scherben von Keramikgefäßen und eine beträchtliche Menge von Hüttenlehm, der vor allem innen, entlang der Mauern, gefunden wurde.

Abbildung2: Hier sind Knochenreste eines Kindes gefunden worden.

Die Strukturen hingegen, die zur Hangbefestigung errichtet wurden, sind mehreren Bauphasen zuzuordnen. Ursprünglich wurden Steine kleineren Ausmaßes dazu verwendet, die Instabilität des Hanges zwang die eisenzeitliche Bevölkerung jedoch zur Errichtung mächtiger Mauerzüge.

Was sich den Archäologen heute bietet, ist der Zustand dieser Mau­ern nach dem letzten und endgültigen Einsturz. Darunter kamen die verkohlten Reste weiterer, älterer Gebäude, die noch zu untersu­chen sind, zum Vorschein. Die Bestattung eines Neugeborenen, die oberhalb der urgeschichtlichen Schichten zutage kam, weist in die spätrömische Zeit.

Die wohl wichtigste Erkenntnis dieser archäologischen Grabungen besteht in der feststellbaren Siedlungskontinuität zwischen den urgeschichtlichen und römischen Niederlassungen. Zurzeit ist zwar keine unmittelbare Siedlungskontinuität belegbar, dazwischen den abgebrannten Hütten und der römischen Siedlung in etwa zweieinhalb Jahrhunderte liegen, es ist jedoch nicht auszuschließen, dass in weiteren, durch neuzeitliche Bauarbeiten weniger beeinträchtigten Bereichen, in Zukunft eisenzeitliche Schichten festgestellt werden können, die zeitlich näher an die römischen Fundhorizonte herankommen. Es ist nämlich bekannt, dass das Pustertal bereits im l. Jh. v. Chr. und somit während der frühen Römer­zeit als Transitweg diente.

Gino Bombonato
Cooperativa Scavi e Restauri, Bozen  

Lorenzo Dal Ri
Direktor des Amtes für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol

Umberto Tecchiati
Zoneninspektor für das Eisacktal und das Pustertal, Amt für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol        

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