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Lorenzo Dal Ri - Gianni Rizzi - Umberto Tecchiati

Sebatum: römisches Gräberfeld entdeckt (1.-4. Jh. n. Chr.)

Lorenzner Bote
Jänner 2002

Nach den im 19. Jahrhundert sowie in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Pflaurenz (Marmorsarkophag) und  am Fuß des Sturmbühels erfolgten Entdeckungen von Gräbern, enthüllt die antike römische Stadt Sebatum neuerlich weite Teile ihres Gräberfeldes (Abb.1).

Abbildung 1: Vereinfachter Lageplan der entdeckten Gräber

Präventive archäologische Untersuchungen von Seiten des Amtes für Bodendenkmäler auf Grundstücken, auf denen Handwerks- und Handelsbetriebe entstehen werden, haben einen Teil des Gräberfeldes der römischen Stadt freigegeben.

Das Areal liegt auf dem höchsten Punkt einer niederen Flussterrasse im Bereich der Besitztümer der Handwerksbetriebe Gatterer, Plankensteiner, Edilfer und Innerhofer. Gerade die letztgenannte Firma hat einen beträchtlichen Beitrag zur Finanzierung der archäologischen Untersuchungen auf jenen Grundstücken geleistet, die ihnen vor kurzem zur Erweiterung ihres Betriebes zur Bebauung bestimmt wurden. Die Nekropole erstreckt sich auf diesem Rücken von Osten nach Westen. Im Norden wird sie von einer kompakten Schotterschicht begrenzt, die wahrscheinlich als Teil einer antiken Trasse, welche sich von Sebatum ausgehend in Richtung Osten schlängelte, betrachtet werden kann.

Abbildung 2: Gemauertes Steinkammergrab Nr. 1, angelegt im areal, das vorher für die Scheiterhaufen bestimmt war

Auf der Straße wurden römerzeitliche Funde, wie charakteristische Schuhnägel, entdeckt. Die Tatsache, dass in diesem Bereich keine Gräber ausgemacht werden konnten, führt zur Annahme, dass dieses Bauwerk zeitgleich zum Gräberfeld ist, das am östlichen Rand der Siedlung liegt. Beim momentanen Forschungsstand kann jedoch schwer beurteilt werden, ob es sich um die Römerstraße in Richtung Aguntum oder um einen weniger bedeutenden Weg handelt, der nur mit dem Gräberfeld im Zusammenhang stand.

Es kann jedoch angenommen werden, dass sich die Nekropole ungefähr auf einer Länge von 500 Metern erstreckt, vom Sturmbühel ausgehend bis zum soeben entdeckten Areal, das sicherlich die äußerste Grenze der Nekropole darstellt.

Das Gräberfeld weist drei verschiedene Grabtypen auf:

  1. gemauertes Steinkammergrab mit Körperbestattung (bislang wurden zwei davon entdeckt) (Abb. 2),

  2. Körperbestattung in einfacher Grube mit Grabbeigaben in einem Holzsarg oder in einer Erdgrube (bisher 11 Individuen) (Abb. 3),

  3. Brandbestattungen mit Hinterlegung der verbrannten Knochen des Verstorbenen in kleinen Erdgruben zusätzlich zur Grabausstattung.

Abbildung 3: Grab Nr. 33, ein Beispiel für eine Körperbestattung in einfacher Grube mit Keramikbeigaben und Armschmuck in Bereich der Handgelenke

Zwanzig der letztgenannten Gräber enthielten Leichenbrandgefäße (Keramikgefäße mit den kalzinierten Knochen des Verstorbenen) (Abb. 4) und acht wiesen nur Knochen auf, Erde vom Scheiterhaufen und Grabbeigaben.

Der Ort (oder die Orte), an denen die Scheiterhaufen brannten, konnte(n) am östlichen Ende der Nekropole ausgemacht werden und zwar dort, wo nachträglich in der Spätantike, das gemauerte Steinkammergrab Nr. 1 angelegt worden war. Im Umkreis dieses Grabes wurden Mauerreste und Dachziegelfragmente aus der Römerzeit entdeckt; folglich kann angenommen werden, dass sich das Grab innerhalb eines kleinen  überdachten Bauwerks, faktisch eines kleinen Mausoleums, befand.

Bedauerlicherweise wurde das Grab vor den archäologischen Ausgrabungen geplündert, in seinem Innern jedoch wurden einige Skelettfragmente gefunden, ein Goldring sowie wenige weitere Funde.

Grubengrund fanden sich Reste des Skeletts, Teile eines Tränengefäßes, ein Kamm sowie eine kleine Bronzeschatulle mit Spuren einer dunklen Masse, möglicherweise einer kosmetischen Substanz.

Die weiteren Körperbestattungen enthielten alle eine für die Reise ins Jenseits bestimmte Grabausstattung: verschiedene Keramikgefäße sowie Becher und Krüge. In zahlreichen Fällen waren auf den Verstorbenen Ketten, Armschmuck, Fibeln, Messer und Ringe gelegt worden.

Abbildung 4: Grab Nr. 14, ein Beispiel für eine Brandbestattung mit Leichenbrandgefäß und Deckelschale

Das gemauerte Steinkammergrab Nr. 2 weist, durch Schotterabbau aus dem 18. Jh. bedingt, Beschädigungen auf. Auf dem 

In den Brandgräbern finden sich sowohl auf dem Scheiterhaufen zu Bruch gegangene Keramikgefäße als auch verbrannte Metallgegenstände, wobei diese Gegenstände vorwiegend in nicht verbrannten Gefäßen aufbewahrt sind, die von weiteren  ins Grab hinterlegten Keramikbehältern für Speis und Trank umgeben sind.  Auch Münzen, die als Bezahlung für den Fährmann am Fluss in die Unterwelt dienen sollten, sog. Obolus des Charon,  sollten den Verstorbenen auf seiner Reise ins Jenseits begleiten.

Die Münzen in den Brandgräbern weisen Brandspuren auf; in den Körperbestattungen des 4. Jh. n. Chr. hingegen fanden sich als Häufchen neben dem linken Knie des Toten auch fünf Stück beieinander. Jedenfalls sind hier die Münzhinterlegungen selten, oftmals scheinen sie durch Gegenstände ähnlichen Wertes ersetzt worden zu sein, z.B. durch große Nägel, die damals einen nicht unbeträchtlichen Handelswert gehabt haben müssen.

Im Augenblick sind wegen des Winterfrosts die Ausgrabungen stillgelegt, 2002 jedoch werden die Arbeiten in Richtung der Siedlung von Sebatum fortgesetzt. Die Notgrabungen werden im Hinblick auf die Bauvorhaben, die sich momentan in Ausarbeitung befinden, in diesem Gebiet durchgeführt werden.

Lorenzo Dal Ri
Direktor des Amtes für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol

Gianni Rizzi
Società Ricerche Archeologiche G. Rizzi & Co, Brixen

Umberto Tecchiati
Zoneninspektor für das Eisacktal und das Pustertal, Amt für Bodendenkmäler der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol        

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