| Presse Verzeichnis | |||
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Reimo Lunz Ein
einzigartiger Fund aus der Römerzeit |
Lorenzner
Bote |
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Abbildung 1: Die Gegend um den Sturmbühel und Heiligkreuz in St. Lorenzen Anton Roschmann der Ältere (1694-1760), einer der Begründer der Altertumsforschung in Tirol, überliefert uns in seinem Hauptwerk „Inscriptiones“ (1756) einen überaus seltenen archäologischen Fund. Man schrieb das Jahr 1724 oder 1725, als man bei Erdarbeiten in einer Wiese zwischen St. Lorenzen und Bruneck zufällig auf eine große Platte aus schneeweißem Marmor stieß. Darunter verbarg sich offenbar eine kleine Grabkammer mit menschlichen Skelettresten. Im aufgegrabenen Erdreich fanden sich drei römische Öllämpchen, die eine aus Bronze, die beiden anderen aus gebranntem Ton, eine davon mit Fabriksstempel VIBIANI (d. h. aus der Werkstätte des Vibianus stammend). Diese Lampen stammen aus norditalischen Werkstätten, wo sie vom späten 1. bis zum frühen 3. Jh. n. Chr. hergestellt wurden. Besondere weite Verbreitung fanden die VIBIANI-Lampen im 2. nachchristlichen Jahrhundert. Das von Roschmann beschriebene Grab dürfte aber wohl erst im Laufe des 3. Jh.s n. Chr. angelegt worden sein, da erst zu jener Zeit allmählich das Körper(=Skelett)grab aufkommt, während vorher das Urnengrab vorherrschend war. Ein regelrechtes Urnengräberfeld aus der Römerzeit scheint sich im Bereich zwischen Eisenbahntrasse und Grieblerfeld in Pflaurenz befunden zu haben. Dort kamen 1839 im Zuge des Straßenbaus von St. Lorenzen nach Montal mehrere Brandgräber zum Vorschein, aus denen u. a. vier vollständig erhaltene Glasflaschen mit breitem Bandhenkel, eine große, bauchige Glasurne, Balsamarien, acht Glasperlen, ein Beinwürfel, drei Kupfermünzen, drei Öllämpchen, ein Messer und ein Ring aus Eisen, sowie zahlreiche Tongefäßreste geborgen wurden. Ein weiteres Urnengrab aus römischer Zeit kam 1917 bei der Verbreiterung der Gadertaler Straße im Terneracker zum Vorschein. Schließlich wurden Ende der 30er Jahre anlässlich der ausgedehnten Grabungen in Sebatum noch mehrere Urnengräber in Pflaurenz geborgen. Aber auch Skelettgräber sind in Pflaurenz mehrfach nachgewiesen. Bereits im Jahre 1803 fand man hier einen Marmorsarkophag, der angeblich zwei Menschenschädel, eine Münze des Agrippa und eine Terra Sigillata-Scherbe mit dem Stempel ATTI(fecit) enthielt. Ein weiterer, 1856 ausgegrabener Marmorsarkophag stand mehrere Jahre beim Wastlmoarhof in Fassing als Futtertrog in Verwendung. Von diesem Steinsarg ist heute leider nur mehr die Bodenplatte erhalten.
Bis heute nicht ganz geklärt ist die Frage, ob das römerzeitliche Gräberfeld von Pflaurenz der eigentliche Friedhof der antiken Siedlung Sebatum war. Denn einerseits ist zu bedenken, dass auch in Pflaurenz eine römische Siedlung bestand, und zwar im sogenannten Jochum-Acker auf der rechten Gaderseite; hier wurden 1939 Teile eines Wohnhauses mit Fußbodenheizung freigelegt, andererseits sind gerade im Raum zwischen St. Lorenzen und Bruneck mehrfach römerzeitliche Gräber bzw. Grabbauten überliefert. Die merkwürdigste Nachricht über solche Gräber betrifft wohl den sogenannten Kaiserbühel. Dieser Hügel – nicht zu verwechseln mit dem etwa 200 Meter weiter nördlich gelegenen Sturmbühel – erhob sich einst etliche Meter über dem Gelände von „Stöcklstein“ nahe dem alten Weg von Bruneck nach St. Martin. Beim Bau der Eisenbahn (1870-71), die knapp am Nordrand der Erhebung vorbeiführt, wurde der Hügel offenbar weitgehend abgetragen. Heute kennzeichnet den Platz nur mehr ein unwirtlicher, mit Sträuchern und Bäumen bestandener, niedriger Schotterrücken südlich der Bahnlinie. Nach einer handschriftlichen Aufzeichnung des Kooperators Joseph Fercher in St. Lorenzen aus dem Jahre 1830 war dort ursprünglich „ein Erdhügel, völlig ähnlich den Grabhügeln des Achilles und Aiax, und man soll darin ein Gewölbe sammt einem Grabe mit Lampen bestellt und alte Waffen dabey gefunden haben“. Man würde heute die Hinweise Ferchers wahrscheinlich als romantische Schwärmerei oder Märchen abtun, wüsste man nicht, dass auch im Jahre 1939 bei Sondierungen im Bereich südlich des Sturmbühels (Mutschlechner-Grund) gemauerte Grabkammern und andere Mauerzüge zu Tage gekommen sind. Eine dieser ca. Nord-Süd orientierten, gemauerten Grablegen war durch eine große Steinplatte verschlossen und enthielt ein menschliches Skelett, das auf einem Rollsteinpflaster mit Mörtelresten ruhte. Als Grabbeigaben fanden sich eine sogenannte Blechscheibenfibel (halb Bronze, halb Silber) mit Punktkreisdekor in Relief, sowie ein bronzenes Ohrlöffelchen, ein rechteckiger Ringeinsatz aus Glas, Reste eines silbernen Siegelringes und eine Lanzenspitze aus Eisen. Nach der Typologie der Fibel wird man das Grab als spätantik (ca. 5. – 6. Jh. n. Chr.) ansprechen dürfen. Auch in den Feldern zwischen Sturmbühel und Kaiserbühel sowie in der Gegend gegen Bruneck zu (Plankensteiner Holzlager) sollen in alter und neuerer Zeit mehrfach alte Mauern aufgeackert und antike Gegenstände gefunden worden sein. Flavian Orgler erwähnt „einen großen Siegelring mit einem oblongen Agat, in dem eine Büste mit der Inschrift Carat eingegraben sei“. Vor nicht allzu langer Zeit soll zudem in einem Acker nördlich des Kaiserbühels ein goldener Fingerring gefunden worden sein, der später leider nach Wien gebracht und zu Geld gemacht wurde. In Kenntnis
der archäologischen Bedeutung der Zone rund um den Sturmbühel versteht
es sich von selbst, dass das Landesdenkmalamt Bozen von jeher
Erdbewegungen und andere Bodeneingriffe in dieser Gegend mit wachsamem
Auge verfolgt. Durch die Ausweisung einer größeren Gewerbezone im
Talbereich zwischen Sturmbühel, Staatsstraße, „Industriegebiet West“
und der alten Rienzterrasse im Süden ergab sich nun vor wenigen Wochen
die Möglichkeit, durch gezielte Sondierungen mit einem kleinen Bagger in
der Talebene und im Hangbereich die Erdschichten bis auf den Untergrund zu
untersuchen. Dabei kamen nicht nur mehrere Steinpflasterungen zum
Vorschein, die auf eine alte Wegtrasse am Hang schließen lassen, sondern
auch verschiedene Kleinfunde, wie eine Kupfermünze (As) des Kaisers
Hadrian und das Bruchstück einer frührömischen Fibel aus Bronze. Der
bedeutendste Fund wurde aber im Ostteil der untersuchten Fläche gemacht.
Hier kamen in unregelmäßigen Abständen Mörtelmauern zum Vorschein.
Beim Freilegen einer der Mauerführungen stellte sich heraus, dass man
hier auf eine gemauerte Grabkammer von ca. 1x2 Meter Innenmaß gestoßen
war. Die Mörtelmauern haben die für römische Mauern typische Stärke
von 60 Zentimetern (2 röm. Fuß). Die Innenwände der Grabkammer waren
ursprünglich mit rötlichem Ziegelmörtel ausgestrichen gewesen, von dem
sich einzelne Teile erhalten haben. Die Nordostecke des Grabes war
eingerissen, auch fehlte die Deckplatte der Kammer, wohl ein Zeichen, dass
die Bestattung schon in früherer Zeit ausgeraubt worden war. Trotz ihrer
Mühe hatten die Räuber aber die wohl wertvollste Grabbeigabe übersehen,
nämlich einen Fingerring einer Frau aus purem Gold! Das Besondere an
diesem Ring ist aber, dass sein Außenrand nicht rund, sondern zehnkantig
abgesetzt ist, wobei auf jedem der Stege ein lateinischer Buchstabe bzw.
eine Punktreihe eingraviert sind. Die Buchstaben bilden zusammengelesen
die Inschrift: SOLI ET
LVNE, d. h. dem Sonnengott Sol und der Mondgöttin Luna (anvertraut
oder gewidmet). Formenkundlich ist der Ring zwar nicht näher einzuordnen,
auch die Buchstabenformen lassen sich nur allgemein in die römische
Kaiserzeit datieren. Da man aber weiß, dass der – orientalisch
beeinflusste - Kult des Sonnengottes in Rom besonders im 3. und im
angehenden 4. Jh. n. Chr., zunächst durch Kaiser Elagabalus, später
durch Kaiser Aurelianus, große Bedeutung erlangt hatte, ist anzunehmen,
dass auch der Goldring von St. Lorenzen jener Zeit angehört; um so mehr,
als gerade die Verbindung Sol-Luna kennzeichnend für die Spätzeit der römischen
Götterverehrung ist. So wurden laut dem römischen Schriftsteller
Tertullian im 4. Jh. n. Chr. besondere Zirkusspiele für Sol und Luna in
Verbindung mit dem Stiftungstag des Tempels am 28. August aufgeführt. Es wäre den Lorenznern zu wünschen, dass dieser einzigartige Ring, ein hervorragendes Denkmal römischer Kleinkunst und antiker Religionsgeschichte, im neueingerichteten Antiquarium im Rathaus ausgestellt werden darf. Reimo
Lunz |
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