Forschungsgeschichte


Eine Grabungsgeschichte muss immer auch mit der Geschichte der historischen Wahrnehmung eines Objektes und einer Fundgeschichte im allgemeinen zusammenhängen.

Nachdem Sebatum als solches im Mittelalter, also etwa zwischen 8. und 15. Jahrhundert offensichtlich vergessen worden war, schreibt der humanistische Historiker Wolfgang Lazius als erster in seinem 1551 erschienenen Rei publicae Romanae in exteris provinciis, dass durch Auffindung von nicht näher definierten Inschriftensteinen Aguntum in Innichen, Littamum in Luttach im Ahrntal und Sebatum in Schwaz zu suchen seien.

Oktogon Grabung
Anlagen westlich des Sturmbühels. Links im Hintergrund vermutlich Badeanlagen, rechts im Vordergrund der durch den bau der Straße beschädigte Achteckbau, vielleicht ein Nymphäum. 2. - 3. Jh. n.Ch.

Im 18. Jahrhundert gibt Roschmann A. in Geographia Tyrolensis Romana ein Verzeichnis der sich im Pustertal befindlichen Antiquitäten. Wie er aber in "Littamum nunc vicina ad St. Laurentium", einem Manuskript von 1754, schreibt, glaubt er auch, dass St. Lorenzen Littamum war.

1835 berichtet die Zeitschrift des Ferdinandeums von einem in Pflaurenz bei St. Lorenzen gefundenen steinernen Sarkophag, Fibeln und anderen Kleinfunden.

Beim Bau der Eisenbahn wird in nämlicher Gegend ein weiterer Steinsarkophag ausgegraben.

1857 wird der entscheidende römische Meilenstein aus der Zeit des Macrinus und Diadumenianus bei der Sonnenburg wiederentdeckt.

1873 publiziert T. Mommsen dann sein Corpus Inscriptionum Latinarum, in dem er anhand verschiedener Inschriften, vor allem aber von oben genanntem Meilenstein, in einer glanzvollen Leistung logischer Deduktion schlüssig beweisen kann, dass Aguntum bei Lienz, Littamum bei Innichen und Sebatum bei St. Lorenzen liegt. Nun ist Sebatum endlich wieder in unser Bewusstsein zurückgekehrt.

1893 wird die neue Straße gegen Montal trassiert. Dabei findet man mehrere römische Brandgräber mit gestempelten Tonlampen, Glasurnen und -krüglein, Beinwürfel, Münzen und andere Gerätschaften.

1907 berichtet Moroder von der Auffindung von Keramik, einer Bronzemünze des Antoninus Pius und eines Bruchstücks eines römischen Altares mit der Inschrift IOM und DO und dem Namen Aemilius Ninnus, und anderer Objekte östlich von St. Lorenzen, beim Sturmbühel.

Therme Peintner
Die Thermenanlage des Gutshofes im Peintneracker. 
2. - 3. Jh. n.Ch.

Es lässt sich nun ungefähr die Ausdehnung der Siedlung definieren, die von den Äckern südlich von Pflaurenz, den beim Pflügen Anfang des Jahrhunderts auf der Stocker Stole im Norden gefundenen Mörtelmauern und dem Sturmbühel im Osten, reicht.

1917, bei der Verbreiterung der Gadertalerstraße, kommen weitere Glasurnen und Gefäße dazu.

Im Juli 1934 beginnt der Bau der neuen Pustertalerstraße, die nun nicht mehr durch das Dorf führt, sondern nördlich, rechts der Rienz bleibt. Durch die im Verlauf dieser Arbeiten entdeckten Mauern angeregt, werden nun vom Denkmalamt Padua unter Giovanni Brusin, dem das Gebiet untersteht, in den Jahren 1938-39, die ersten systematischen Ausgrabungen durchgeführt. Es werden die Grundmauern der Hypokaustenräume und des großen Hemizyklus, welche heute neben der Hauptstraße liegen, freigelegt. Leider folgten nur fragmentarische Grabungsberichte, die außerdem noch, der Philosophie der damaligen Jahre entsprechend, stark politisch gefärbt waren.

Die zweite und bisher letzte systematische Grabung erfolgte im Zusammenhang mit dem Ausbau des Knotenpunktes der alten Straße mit der Brunecker Umfahrungsstraße-Süd in den Jahren 1981-84, in Zusammenarbeit des Denkmalamtes Bozen mit dem des Veneto. Im Laufe dieser Kampagne wurden zum Beispiel die Fundamente des Puenlandhauses freigelegt, sowie ein Stück der Römerstraße im Osten Sebatums mit den dazwischenliegenden Thermen eines Gutshofes und mehreren Grundmauern kleinerer Gebäude. Eine umfassende Publikation des Materials steht leider immer noch aus.